Patellaluxation (Kniescheibenverrenkung)

Bei der Patellaluxation springt die Kniescheibe aus ihrem v-förmigen Gleitlager des Oberschenkelknochens meistens zur Knieaußenseite heraus. Häufigste Ursache ist ein Verdrehtrauma des betroffenen Kniegelenkes. Dabei kommt es in fast 90% der Fälle zu Verletzungen des wichtigen sog. medialen patellofemoralen Bandes (MPFL) an der Innenseite des Kniegelenks sowie in ca. jedem 4. Fall auch zur Mitverletzung von Knorpel- und Knochenstrukturen.
Es finden sich häufig begleitende Risikofaktoren, welche die Luxationstendenz der Patella fördern. Hierzu zählen beispielsweise eine fehlerhaft angelegte Kniescheibe bzw. eine fehlgeformte Gleitrinne (Patella- bzw. Trochleadsysplasie), ein X-Bein, eine allgemeine Bindegewebsschwäche (Hyperlaxität), ein Ungleichgewicht der Oberschenkelmuskulatur und ein Hochstand der Patella (Patella alta).

Nach der ersten Patellaluxation liegt das Risiko für eine erneute Luxation mit daraus u.a. resultierender Knorpelschädigung ohne entsprechende Therapie bei ca. 50%. Da die Wahrscheinlichkeit eines Knorpelschadens mit der Anzahl der Luxationen deutlich steigt, muss es Ziel jeder Behandlung sein, eine erneute Luxation möglichst zu vermeiden und Schmerzen zu lindern.
Um eine optimale Therapie einleiten zu können, ist eine exakte Analyse der Ursachen für die Patellaluxation und eine Erfassung der Risikofaktoren (s. o.) notwendig.
Hierzu gehören eine gründliche körperliche Untersuchung in Kombination mit Röntgen- und MRT-Diagnostik.

Bei erstmaliger Luxation ohne schwerwiegende Begleitverletzungen und ohne weitere Risikofaktoren steht die nicht-operative Behandlung mittels Orthesenversorgung und begleitenden physikalischen Maßnahmen im Vordergrund.

Lage des eingebrachten Sehnentransplantates

Operationstechnik

Das Vorliegen von gravierenden Begleitverletzungen, Risikofaktoren für eine erneute Luxation sowie Mehrfach-Luxationen machen eine operative Therapie notwendig. Neben der Therapie der Begleitverletzungen steht die Stabilisierung der Patella durch Wiederherstellung der korrekten Biomechanik an erster Stelle.
Die wichtigste Rolle spielt hierbei heutzutagge die Rekonstruktion des medialen patellofemoralen Ligamentes (sog. MPFL-Plastik). Neuere Studien bestätigen die sehr guten klinischen Ergebnisse dieser Operationsmethode. Sie besticht u.a. auch durch die geringe Traumatisierung.

Als Transplantat wird die körpereigene freie Grazilissehne verwendet. Die beiden Sehnenenden werden mit einem Abstand von ca. 15 mm am inneren Rand der Kniescheibe in der Regel mit Hilfe von Knochenankern fixiert. Die Verankerung am Oberschenkelknochen geschieht in ähnlicher Weise unter strikter Röntgenkontrolle. Die Rekonstruktion des Retinakulums durch Naht wird offen chirurgisch durchgeführt, weil eine genaue anatomische Adaptation unter Spannung arthroskopisch nicht möglich ist.

Nachbehandlung

Postoperativ sollte eine frühzeitige krankengymnastische Mobilistaion des Kniegelenkes erfolgen, um konsequent Verklebungen zu vermeiden. Eine Entlastung des operierten Beines ist aber nicht notwendig.

Ab dem 2. postoperativen Tag soll mit der Krankengymnastik und ggf. Lymphdrainage begonnen werden.

Nach Abschwellung wird die starre Kniegelenksschiene durch eine bewegliche Schiene ersetzt und die Belastung kann sofort voll aufgenommen werden. Eine Thromboseprophylaxe ist für mindestens 10 Tage notwendig. Mit Radfahren kann nach 4 Wochen begonnen werden. Lauftraining ist ab der 7.Woche möglich und die Aufnahme von Wettkampfsport kann frühestens nach 3 Monaten erfolgen.