Bandverletzungen am Sprunggelenk

Anatomie des Außenbandapparates

Außen- und Innenbänder halten das Sprungbein (Talus) passiv in der Knöchelgabel. Unter normalen Belastungen werden sie dabei vom Zug der umgebenden Muskulatur unterstützt. Im Rahmen von Umknick- oder Verdrehtraumen kann die Muskulatur jedoch nicht schnell genug reagieren – es kommt zur Überdehnung oder Zerreißung der entsprechenden Bandstrukturen.

Eine Sonderstellung nimmt dabei die sogenannte Syndesmose ein. Das Syndesmosenband fixiert den Außenknöchel am Schienbein und hält beide zusammen. Ist die Syndesmose nicht stabil, kann die Knöchelgabel unter Belastung auseinanderweichen und das Sprungbein gegen das Schienbein verkippen – in der Folge entsteht eine Arthrose.

Besonders häufig sind Kontaktsportler bei Fußball, Volleyball oder Basketball von den genannten Verletzungen betroffen. Es kommt zu einer lokalen, mehr oder weniger ausgeprägten druckschmerzhaften Schwellung. Begleitend findet sich eine schmerzbedingte Einschränkung der Beweglichkeit sowie der Belastbarkeit.

Typischer Traumamechanismus bei Ruptur der Außenbänder

Unabhängig von der Anzahl der verletzten Bandstrukturen wird im akuten Stadium nach dem sog. „PECH(Pause-Eis-Compression-Hochlagerung)-Schema“ behandelt. Sofortige Entlastung des betroffenen Sprunggelenks, lokale Kühlung und Kompression sowie Hochlagerung sollen einer weiteren Zunahme von Schwellung und Schmerz entgegenwirken. Diese Vorgehensweise empfiehlt sich für die ersten beiden Tage.

Die Ergebnisse einer baldmöglichst durchzuführenden Röntgen- sowie ggf. einer MRT-Diagnostik entscheiden dann über die weitere Vorgehensweise. Dabei geht es vor allem um das Erkennen von knöchernen Bandausrissen und Syndesmosenverletzungen, den Ausschluß von Mittelfuß- oder Wadenbeinfrakturen sowie von Knorpel-/Knochenläsionen des Sprungbeins.

Sollte die Diagnostik keinen operationswürdigen Befund erbracht haben, kann ab dem 3. Tag nach Anlage einer Sprunggelenksorthese mit der Mobilisation unter schmerzadaptierter Vollbelastung begonnen werden. Nach einer Woche kann ggf. unter Zuhilfenahme physiotherapeutischer Maßnahmen mit Propriozeptionstraining, Gelenkmobilisation sowie Kräftigungstraining begonnen werden. Nach ca. 6 Wochen haben die Bänder ihre Reißfestigkeit zu fast 70 % wieder erlangt.

Leichte Sportarten wie Radfahren oder Schwimmen können meist nach wenigen Wochen wieder aufgenommen werden. Mit Kontakt- und Ballsportarten sollte man erst nach ca. 6 Wochen beginnen. Das Tragen einer Schiene oder ein Tape-Verband ist in den ersten 12 Wochen zu empfehlen.

Operationstechnik

Eine operative Therapie empfiehlt sich in erster Linie bei Syndesmosenverletzungen, bei knöchernen Bandausrissen sowie einer über 6 Monaten währenden erfolglosen konservativen Therapie mit persistierendem Instabilitätsgefühl.

Wird operiert, werden die gerissenen Bänder freigelegt und vernäht. Sollte nicht mehr genügend Bandmaterial vorhanden sein, können benachbarte Sehnen oder auch die Knochenhaut zur Rekonstruktion herangezogen werden. Die Refixierung erfolgt dann mittels spezieller Knochenanker.

Bei Verletzungen der Syndesmose mit Inkongruenz und Instabilität im oberen Sprunggelenk wird die vorübergehende Transfixation von Fibula und Tibia mittels einer oder zweier Stellschrauben in Kombination mit einer Naht der betroffenen Syndesmose erforderlich.

Operative Versorgung einer Syndesmosenruptur (rot) mittels über das Wadenbein eingebrachter Stellschrauben

Nachbehandlung

Nach der Operation ist das Tragen einer Schiene für ca. 6 Wochen erforderlich. Das Nahtmaterial wird in der Regel am 12. postoperativen Tag entfernt. Nach Versorgung einer Syndesmosenverletzung muß das betroffene Gelenk in der Schiene an Unterarm-Gehstützen 6 Wochen entlastet werden. Anschließend erfolgt in Lokalanästhesie die Entfernung der Stellschrauben. Danach kann zügig zur Vollbelastung übergegangen werden.

Im Fall einer Bandnaht oder -rekonstruktion darf bereits unmittelbar postoperativ in der Schiene voll belastet werden. Bzgl. der operativen Versorgung der anderen o.g. Begleitverletzungen s. die nachfolgenden Kapitel.